2020 – K36 – Kotti auf den zweiten Blick. Eine 12-monatige Stadtforschung am Kottbusser Tor

88

Das Jugendgremium hat sich im letzten Jahr, von Oktober 2019 bis Oktober 2020 mit dem Thema Stadtforschung befasst und anhand verschiedener künstlerischer Tools das Kottbusser Tor untersucht.

Nun stellt sich die Frage, wieso ausgerechnet der Kotti?

Ein Ort, der in den Medien als Brennpunkt Berlins bezeichnet wird. Ein Ort, an dem Kriminalität gang und gäbe und das Wohlfühlgefühl nicht vorhanden ist. Trotz dessen, haben wir genau diesen Ort gewählt – weil der Kotti für viele von uns von großer Bedeutung ist. Wir treffen uns dort mit Freundinnen, stoßen auf verschiedene Menschengruppen, arbeiten im Zentrum, besuchen leckere Food Spots und werden individuell akzeptiert und toleriert.

Wir wollten die negativen und positiven Seiten des Kottbusser Tors erforschen und dies in unsere Ausstellung, die am 25. Oktober 2020 eröffnet, veranschaulichen. Wir stellen die Ergebnisse der Forschungen vor, um den Leuten zu zeigen, was wir am Kotti gefunden haben.

Wir haben beispielsweise die Bewegungslinien von Menschen innerhalb eines bestimmten Bereichs aufgezeichnet, um zu sehen, auf welche Art und Weise sich die Passanten am Kotti bewegen.Wir haben Spuren gesichert, indem wir ungewöhnliche Objekte im Stadtraum gesucht und fotografiert haben.

    

    

Außerdem haben wir noch Tourist*innen und Einwohnerinnen am Kotti zu einem bestimmten Zeitraum dokumentiert.

Wir haben Interviews mit fremden Personen geführt, die sich in der Umgebung aufgehalten haben.
Und wir haben Menschen interviewt, die sich seit über 20 Jahren mit der gesellschaftlichen Situation am Kotti beschäftigen und versuchen, sie zu verändern und zu verbessern: Zum Beispiel der Besitzer vom Cafe Kotti, der zugleich Sozialarbeiter ist. Oder die Veranstalter*innen vom SO36, die seit über 20 Jahren den Gayhane – Homo-Oriental Dancefloor veranstalten. Sie haben die Queer-Szene, in den letzten Jahren aktiv mitgestaltet.

Wir haben uns in mehrere Gruppen aufgeteilt und in verschiedenen Bereichen am Kotti Fotos von Fassaden, Straßen, Läden, Pflanzen usw. gemacht, um daraus eine große Collage für unsere Ausstellung zu bauen.
Außerdem haben wir Mode-Fotos von Passant*innen gemacht und von ihren Outfits sowie Portraitsfotos, um zu zeigen wie unterschiedlich und vielfältig die Menschen am Kotti sind.

Wir haben uns mit der Botanik am Kotti beschäftigt, also mit Pflanzen, die auf den ersten Blick für ’’Unkraut’’ gehalten werden, aber in Wahrheit Heilkräfte besitzen.
Und wir haben uns mit der Architektur sämtlicher Häuser am Kottbusser Tor befasst, weil es diverse und unterschiedliche Arten von Häusern gibt und es interessant ist, sich anzusehen, wie vielfältig das Kottbusser Tor bebaut ist. Als Beispiel dient das Zentrum Kreuzberg, wo wir von einem Mitglied des Jugendgremiums eine Haus-Tour bekommen haben.

      

Am 3. Oktober waren wir direkt am Kottbusser Tor/ Zentrum Kreuzberg und haben ein kollektives Live-Zeichenprojekt im Rahmen des „Festivals Einzeichnen“ veranstaltet. Wir haben auf dem Asphalt mit Kreidesprays und Kreidestiften Outlines vom Kotti vorgezeichnet. Vor Ort haben wir Passantinnen eingeladen, aufzuzeichnen oder aufzuschreiben, was ihnen am Kotti wichtig ist. Der zwei-stündige Prozess wurde von uns gefilmt und live in die Berlinische Galerie übertragen. Dort hat das Zeichenfestival stattgefunden. Darüber hinaus ist ein Video für unsere Ausstellung entstanden.

Aus den vielfältigen künstlerischen Forschungen sind am Ende sieben Videos entstanden. Sie eröffnen einen tieferen Blick in unsere Erfahrungen, Gedanken und die Forschung, zu der Frage:

Ist der Kotti ein tolleranter Ort?

Die Antwort aus unserer 12-monatigen Forschung ist ein eindeutiges: Ja!

Eine Antwort auf „2020 – K36 – Kotti auf den zweiten Blick. Eine 12-monatige Stadtforschung am Kottbusser Tor“

  1. Ein tolles, interessantes Projekt. Ich möchte allen, die daran beteiligt waren, zu den bemerkenswerten Ergebnissen gratulieren.
    Für mich war es interessant abseits der üblichen Klischees ein Stück Berlin kennenzulernen, wo ich freiwillig nicht hinfahre. Ich sehe den Kotti jetzt auch mit anderen Augen. Vielleicht gehe ich nun einmal auf Entdeckungstour.
    Ich finde es Klasse, wie das Team des Schattenmuseums sich dem Projekt genähert hat und was dabei herausgekommen ist. Besonders gefällt mir die Collage.☺ Ich wünsche euch eine erfolgreiche Ausstelung mit vielen positiven Feedbacks.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.