schtzngrmm schtzngrmm – Was bleibt-t-tt? Eine performative Intervention

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von Elis Naegele

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Stell dir vor, du bist ein Tirailleur, einer der Soldat*innen der französischen Kolonialarmee aus Afrika, Asien, den Amerikas und Ozeanien, und hilfst, den Kontinent von Nazi-Deutschland zu befreien. Du wirst gelockt mit Geld, mit vermeintlicher Sicherheit, mit einem besseren Leben und musst genau dafür schließlich dein eigenes Leben lassen. Mit dir teilen viele andere die gleiche Geschichte. Es ist eine Geschichte, die früher verheimlicht wurde und über die heute viel zu wenig gesprochen wird: die Geschichte der Tirailleurs. Was bleibt heute von ihnen, und wer wird noch immer in Kriege geschickt, die nicht die eigenen sind? Im Rahmen der HKW-Ausstellung Tirailleurs: Trials and Tribulations nimmt das Schattenmuseum das Publikum mit auf eine experimentelle Reise, bestehend aus Lautgedichten, Zitaten, Werbetexten und Interviews. Wie stellen wir, das Schattenmuseum, die Parallelen zwischen der Geschichte der Tirailleurs und der heutigen Zeit her? Das Gedicht, welches sich anfühlt wie zusammengeworfene Fetzen einer bitter endenden Schlacht, durchzieht den Raum wie ein immer wiederkehrendes Echo. Dieses Lautgedicht des österreichischen Dichters Ernst Jandl aus dem Jahr 1957 wirkt wie die Vertonung von dem, was wir alle fürchten: Werden das die Geräusche sein, die die Wehrpflicht für uns mit sich bringt?

Das Schattenmuseum entwirft dafür an mehreren intensiven Workshoptagen eine Performance in verschiedenen Teilen der Ausstellung, in der das Publikum an Stationen unterschiedliche Erfahrungen aus verschiedenen jungen Perspektiven machen kann. Besuchende können experimentieren und werden dazu angeregt, miteinander in Kontakt zu kommen und sich auszutauschen. Was wie ein Ausstellungsrundgang beginnt, entwickelt sich schnell zu etwas mit einem Beigeschmack, der das Publikum erst kurz lachen und dann schlucken lässt. Ein Anliegen von uns war es auch, die aktuelle „Stadtbild“-Debatte aufzugreifen und aus der Sicht unterschiedlicher Generationen sichtbar und erfahrbar zu machen. Damit hebt die Performance die Ausstellung aus der Vergangenheit heraus. Die Tirailleurs sind nicht nur ein trauriger Teil einer beendeten Geschichte, sondern eine Tragödie, die heute noch immer weiter anhält: in der Remilitarisierung Europas, in den Soldatinnen, die aus Korea, Afrika und anderswo
in den Krieg in der Ukraine hineingezogen werden, in der stillen Wiederaufführung, die
eine ganze Gesellschaft zurück an die Front zieht.
Eine Gesellschaft, die sich jetzt dagegen wehren muss.

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